6 Argumente

November 28, 2007 on 10:58 am | In Philosophy | Comments Off

Ich bin Offizier der Schweizer Luftwaffe und bin schon lange der Meinung, dass Armeewaffen ins Zeughaus gehören, nach dem Vorfall in Zürich Höngg aber erst recht. Hier meine Überlegungen:

1) Wenn es gelingt, dank geeigneten organisatorischen Massnahmen auch nur ein Menschenleben zu retten, ist es den Aufwand allemal wert. Dieses Argument ist nicht diskutabel.

2) Wenn ich Zivilist bin, brauche ich keine Waffe, sie ist überflüssig. Gerate ich in Gefahr, ist es Aufgabe der Polizei, die Situation zu klären. Würde ich eine Waffe tragen, würde die Situation vermutlich eskalieren. Das Gewaltmonopol liegt in der funktionierenden Demokratie beim Staat, der dazu eigens ausgebildete Profis unterhält, und nicht beim einzelnen Bürger.

3) Das Argument, das Einlagern der Waffen sei wegen dem Obligatorischen Programm nicht praktikabel, kann ich nicht verstehen. Im modernen gefechtsmässigen Schiessen hat das 300m Schiessen eine reduzierte Bedeutung, stattdessen wird mehrheitlich das Schiessen auf kurze Distanz in speziellen Boxen trainiert. Ich werde das Gefühl nicht los, dass das OP beim lokalen Schützenverein nur noch eine minimale Bedeutung für die Ausbildung des Soldaten hat (die meisten haben keine Ahnung, wie sie ihr Visier korrigieren müssen und benötigen dazu die Hilfe eines erfahrenen Mitglieds des Schützenvereins) und der Tradition wegen noch nicht abgeschafft wurde. Die Ausbildungszeit in der Armee scheint mir der geeignetere Rahmen, um bestehende Mängel in einer professionellen Ausbildung zu beheben.

4) Die Befürworter der Taschenmunition behaupten, dass gerade in der heutigen Situation mit diffuser Gefahrenlage die Einheit des Soldaten (Mann, Waffe und Munition) besonders wichtig sei. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Anschlag der Al-Quaida (vermutlich die diffuseste Bedrohung überhaupt) die Mobilisierung der Schweizer Armee stoppen könnte. Nach dem ersten Anschlag wären zumindest erste Alarmformationen bereit. Und sollte es der Quaida gelingen, das Land ins Chaos zu stürzen, würden mir die herumirrenden führungslosen Wehrmänner mit Taschenmunition mehr Sorgen machen als die Quaida selber.

5) Bei jeder Tötung mit Armeewaffen wird von Waffenbefürwortern erwähnt, dass man wegen einzelnen Missetätern nicht gleich das ganze Kollektiv an Soldaten schuldig sprechen dürfe, welche verantwortungsvoll mit ihrer Waffe umgehen (was zugegeben für die erdrückende Mehrheit stimmt). Es werden ausserdem in einem automatischen Reflex die forensischen Psychiater in die Medien geschaltet, welche mit minimal verfügbaren Informationen erklären müssen, was im Kopf des Täters vorgegangen ist und welche psychische Störung er hat. Es ist verständlich, dass die Öffentlichkeit das Grauen zu verstehen versucht, indem sie Rat von Experten für das Abnormale holt. Sie verschliesst aber die Augen vor der noch grauenvolleren Tatsache, dass man nicht abnormal sein muss, um solch eine Tat zu begehen. Prof. Dr. Klaus Grawe diskutierte mit uns in einer Vorlesung zur klinischen Psychologie vor Jahren die Problematik, Sexualstraftäter zu therapieren, die entweder nicht bereit für eine Therapie sind oder in keine klinische Diagnose passen. Es ist möglich, Menschen (inkl. sich selber) Schaden zuzufügen, ohne psychisch krank zu sein. Das kannst Du und ich. Es ist kein Problem der durchgeknallten Anderen. Es ist meins und Deins.

6) Die Waffenlobby argumentiert, dass diese Täter sich eine Waffe legal oder illegal besorgt hätten, auch wenn sie keine Armeewaffe zur Verfügung gehabt hätten. Nach dem Motto der NRA “guns don’t kill, men kill” argumentiert z.B. Rita Fuhrer, dass man sich vielmehr fragen müsse, was in unserer Gesellschaft schief läuft. Das ist eine sehr gute Frage, die zu diskutieren es sich lohnt. Anonyme Befürworter im Tagi-Forum bemerken sarkastisch, dass schliesslich auch Autos töten – stimmt, sogar im weitaus grösseren Ausmass. Aber nur wo keine Armeewaffe herumsteht, kann diese garantiert nicht für ein Tötungsdelikt verwendet werden – Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Verglichen mit den komplexen Massnahmen, welche es zur Verbesserung unserer Gesellschaft braucht, ist der Einzug der Armeewaffen billiger, praktikabler und schneller, ohne dass er die Sicherheit unseres Landes schmälert – nicht unwesentlich in einem Szenario, wo Zuwarten mehr Tote bedeutet. Last but not least gibt der Staat nicht jedem Neulenker mit bestandener Prüfung ein Auto ab, sondern konzentriert sich mittlerweile vielmehr wieder darauf, Autos von Rasern einzuziehen.

Ich bin für eine starke Armee. Ich bin für ein Ende der damit im Zusammenhang stehenden Sparübungen. Ich bin für die Milizarmee und gegen eine Profi-Armee. Aber ich bin auch dafür, dass die Armee das zivile Leben des einzelnen Soldaten nur berührt, wo es wirklich nötig ist. So oder so hat der einzelne Soldat den Befehlen der Armeespitze und des politischen Souveräns zu gehorchen, auch wenn er sich Major der Panzerbrigaden rühmt (1, 2). Die verweigerte Abgabe der Taschenmunition ist ein Fall für die Militärjustiz und die Armee kein Jekami-Verein, sonst werden wir möglicherweise bald einmal Soldaten haben, die ihre Taschenmunition nicht abgeben und solche, welche sich nach der Waffeninspektion weigern, die Waffe wieder nachhause zunehmen.

Wie auch immer, wir brauchen dazu eine Volksabstimmung. The buck stops here.

Update: Sämi did it again

Update: Link zur Initiative Schutz vor Waffengewalt

Achmed the dead terrorist

November 27, 2007 on 8:56 am | In Humor | Comments Off

Die Sendung mit dem Schaf

November 22, 2007 on 2:31 pm | In Philosophy | Comments Off

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